Anna Isenschmid

Anna Isenschmid

 

 

Dies ist ein Anagramm

 

Eisdiamanten im Gras.

Es ist Magie darin, man

isst Manna. Die Gier am

Sinn ist Drama. Ei, mega

game! Sie ist im Darm, an

Geist da einsam arm. In-

nig stimme Arie an: Das

ist eins! Die Anagramm-

Manie, mit Essig daran.

 

 

 

Die vier Jahreszeiten

 

Stein, Herz, Jade, Ei: vier

hat jedes, vier Reize in

Jahrzeitversen. Ei, die

vier Seidenjahre Zeit!

Die Verszeit in Ehre. Ja

ja, heiz die vier Sterne,

ja, versetz die Hirne. Ei,

setz die vier Jahre ein!

 

 

 

Der kleine Unterschied

 

Der kleine Unterschied

ist Hundedreck. Ein leer-

es Knurren. Echt leid, die

leeren Tricks. Die Hunde

lecken sie hinter der Du-

sche, trinken Dudeleier.

Erdhund leckt Riesenei,

die lüstern kichernde

Hündin deckt irre Esel.

Sie leckt Erde und ihn, er

leckt sie und die Herren.

Er kichert elend und sie

denkt Schund. Eierleier:

Hunde sind leck’re Tiere!

 

 

 

Gibt es Engel?

 

Engel, bist ge-

stiegen, gelb

einst gelb ge-

sengt. Leib ge-

geben. Liegst,

bist gelegen

legst Gebein.

 

Bin gesegelt

ging beseelt

selig beengt.

Leg Gebet ins

Gestein. Gelb

ist Enge, gelb.

Es gibt Engel,

Geistbengel.

 

 

 

Gewöhn‘ dich nicht

 

Wein‘ doch nicht, geh‘

nicht weg! Ohne dich

geh‘ ich in Tod. Wenn ich

dich nicht gewohne,

weh‘ ich Not. Eng‘ dich

doch wenig, nicht? He,

ich hegt‘ Wonne dich,

wenn ich … Oh, Gedicht

gewöhn‘ dich nicht.

 

 

 

Im stillen Kämmerlein

 

Meine Klammerstille, in

Kleinstem immer allein

leiern Stimmlein Makel.

Kleine Stimmen aller im

Sinn. Male Keim im Teller,

melke mir in allem Stein

Last, melke nimmer in Eil’.

Trinke Leim, sammle Lein,

sammle mir kleinen Teil,

lenke alle Stimm’ in Reim

im stillen Kämmerlein

Im stillen Kämmerlein, gesticktes Anagramm, 360 x 304 mm, 2015

 

 

 

Keine Angst

 

Tage sinken,

Kinn sägte.

Angst? keine

Knie sagten

nie. Gestank

sang, kniete

neigte, sank.

Stank eigen.

Keins getan.

keins nagte.

Sieg kannte

keine Angst.

 

 

 

Licht im Schatten

 

Nachtlicht, meist

matt. Scheinlicht.

Steinlicht macht

satt. Lichtchen im

Stich malte nicht

Schatten im Licht,

lacht meist nicht.

 

 

 

Menschen leben

neben Schelmen.

Schemen nebeln.

Menschenleben

menscheln eben.

Menschen leben, gesticktes Anagramm, 171 x 123 mm, 2015

 

 

 

Über allen Gipfeln ist Ruh’

 

Still! Über rauhen Gipfeln

ist pralle Ruhe. Bienenflug

Spur in Luft, helle Garbe. Ein

Flügelspiel, irr, nah. Bunte

Spiralen fluten. Lebe ruhig

über allen Gipfeln. Ruh’ ist

überall heilig. Pst. Fern un-

ten farbiger Puls in Hülle,

in Fülle. Erbguts Plan: hier

befiehlt Ursprung alleine.

Allein pulst Bergruh’, fein,

ist Ruh’ über allen Gipfeln.

 

 

 

Das simultane Gedicht

ist Dada. Musenlicht, ge-

duldig Eis am Schatten.

Es sucht Dada im Tingel-

Tangel, duscht das Ei im

Lautgemisch. Das dient

dem Land! Ach gut ist sie,

die Lust, magisch Daten

dichtend. Igel aus Samt

sind Igel. Du atmest. Ach.

 

 

 

Die längste Nacht

 

Nachtlied. Ängste

lachten, sagten die

alten Gedichte ans

Licht, säen den Tag,

lesen die Nacht. Tag

an Ende. Tageslicht

sachte gelandet in

Schneetal. Neigt da,

liegt da. Nächtens

lagen die Schatten.

 

Da taten sich Engel

selten andächtig

sachte in den Tag. Le-

gen das Teelicht an

Nächte. Geistland,

die längste Nacht.

 

Tage, lachend einst,

Tage sanden leicht,

Tage teilen Schand,

Tage naschten Leid,

Tage leiden nachts,

Tage entladen sich,

Tage enden lastich,

als die Nacht engte.

Nächte tilgen das

Angesicht, adelten

den alten Geist. Ach,

schalte den Tag ein!

 

Nachtlied. Ängste

lachten, sagten die

alten Gedichte ans

Licht, säen den Tag.

 

 

 

Ein Wort erfinden

 

Etedin fennor! Wir

erfinden ein Wort

wie Donner fern. Ti-

denwort in feiner

Fieder. Innenwort

in Federn. Ein Wort

in erdtiefer Wonne.

 

Wörter finden in

Noten. Wirf dein Er-

innern fort. Weide

tief drinnen, wo Re-

den – frei in Worten-

Feinton erwidern.

 

Ein Erdenwort fin-

den, rot wie fern in

freien Orten. Wind-

weiten fordern, in

Tiefen ordnen. Wir

erfinden ein Wort

reden in Wein fort

finden Töne, wirr.

Die Worte – niferen

enni wed – irren oft.

 

 

 

Zeilendiamanten

 

Ein Date im Lenz, na,

na, ein Deal im Netz,

Zen in Mailand, Tee

im Andenzelt. Ein A

lädt ein Z ein, man

dealt in Mazenien,

leidet an Minze, an

Malz. Idee: Tannine,

Melanin, Zen-Diät.

 

Zeilendiamanten

tänzeln da in mei-

ne DNA. Einmal Zeit

in L.A. Manie dezent,

meet in Zealand, in-

tim. Da! Einzelne Na-

men an Zieldateien

mailen. Ein Netz da?

Manna! Zeitenlied.

Leiden an Zeit. Man

endet im Ziel. Na, na.